Garde- und Schautanzsport

"Tanzen ist träumen mit den Beinen" 

Herwig Mitteregger 

Der Begriff des Gardetanz ist auch in Deutschland vielen Menschen ein Fremdwort und wird in den meisten Fällen höchstens mit dem Dreispitz und Perücke tragenden Funke(n)- bzw. Tanzmariechen assoziiert. Dass Garde jedoch ein Tanzsport darstellt, der auf regionalen Turnieren und Landes- bzw. deutschen Meisterschaften ausgetragen wird und somit heute über den traditionellen Einsatz als karnevalistische Unterhaltungseinlage hinaus geht, ist vielen nicht bewusst. Daher hier ein kleiner Einblick in die Charakteristiken der beiden Tanzstile Garde- Marsch und Schautanz.

Garde- Marsch: Nichts für schwache Waden

 

Der Marsch zählt neben der Polka zum Tanzstil der Garde und ist vor allem in Deutschland, den Niederlanden und in Belgien als Sportart etabliert. Zurück geht der Gardetanz auf die Girlstruppen des Revuetheaters in den 1920er Jahren. Während die Polka auch als Solo, d.h. von einer Solistin alleine, oder als Duo, also als Paartanz, verformt werden kann, ist der Marsch eine Gruppenformation. Die Gruppengröße differiert dabei von Verein zu Verein bzw. von Gruppe zu Gruppe, als Richtwert kann jedoch etwa sechs bis fünfzehn TänzerInnen genannt werden. Es wird dabei in drei Altersklassen differenziert, allerdings bestehen auch diesbezüglich unterschiedliche Bezeichnungen und Altersgrenzen. In der Regel gibt es eine Kindergarde (ca. 2- 11 Jahre), eine Jugendgarde (ca. 11-15 Jahre) und eine Maxigarde (ab ca. 16 Jahre).

Der Marschtanz ist als ein sehr schneller, geradliniger und zackiger Tanz mit vielfältigen Schrittkombinationen und Formationen einzuordnen. Hauptelemente stellen Battements, Unter- und Laufschritt sowie das Marschieren und die Grüße dar. Getanzt wird auf eine Marschmusik im 4/4- Takt und mit gerader, militärischer Haltung. Die Eleganz darf jedoch nicht fehlen. Als Gruppenformation wird im Marschtanz zudem großer Wert auf Synchronität, Präzision und Gleichheit gelegt, die Dominanz einer Tänzerin bzw. eines Tänzers ist nicht erwünscht.

Ursprünglich kommt der Gardetanz zwar aus dem karnevalistischen Bereich, als Gardetanzsport ist er heute jedoch auch als eine Sportart einzuordnen, die auf den Wettkämpfen der Dachverbände Deutscher Verband für Garde- und Schautanzsport (DVG), Bund Deutscher Karneval (BDK) und Rheinische Karnevals- Korporationen (RKK) ausgetragen wird und als Leistungssport mit höchsten sportlichen Ansprüchen verbunden ist.

Während der Gardetanz in seiner traditionellen Form in Uniform und mit Perücke, Dreispitz und Spitzenhöschen vertanzt wurde, haben sich in der Gegenwart modernere Tanzkleider mit dünneren und elastischeren Stoff durchgesetzt, die den akrobatischen Ansprüchen besser genügen.

Schautanz

 

Der Schautanz ist eine im Kontrast zum Gardetanz sehr offene Disziplin, in der verschiedenste Tanzstile vereint werden können und somit viel Platz für Kreativität und Ideenreichtum gegeben ist. Unterschieden wird hier insbesondere zwischen dem Charakter, dem Freestyle, dem Modern und dem Schautanz mit Hebefiguren. Da wir uns vor allem im Bereich des Schautanz Charakter bewegen, wird im Folgenden jene Disziplin erläutert.

Der Schautanz Charakter umfasst, wie der Name bereits verrät, das Vertanzen eines Themas oder einer Handlung bzw. Geschichte mit oft unterschiedlichen Charakteren. Dabei kann sich sowohl an Musicals, Tanzstilen wie dem Ballett oder Filmen orientiert werden als auch eine eigenhändig ausgedachten Geschichten darstellen. Wichtig ist, dass alle Tänzerinnen in den Tanz integriert und die Handlung tänzerisch erkennbar gestaltet wird. Gearbeitet werden kann hier unter Anderem auch mit Requisiten und Kostümwechseln. Im Tanz integriert sind häufig auch Hebefiguren. An den umgesetzten Tanzstilen ist keine Grenze gesetzt, häufig wird sich jedoch Elementen des Modern Dance, des Jazz, des Ballets oder des Standards bedient. Und auch Elemente des Gardetanz finden hier Platz. 

DVG- Deutscher Verband für Garde- und Schautanzsport

Dank des 1987 gegründeten Fachverbands DVG ist der Gardetanzsport heute nicht mehr nur bloßes ‚Karnevalsgehüpfe’, sondern stellt eine angesehene Tanzsportart dar, die sich deutschlandweit als Leistungssport etablierte. Hüte und Perücken gehören lang der Vergangenheit an. Ihre Leidenschaft können die Formationen und Solisten jeden Alters dabei in einem fairen Wettkampf aktiv ausleben und sich mit anderen messen. Faire Gegner und Bewertungen werden dabei durch ein striktes Regelwerk, drei Alters- sowie Leistungsklassen und 10 verschiedene Disziplinen gewährleistet. Die Besten nehmen neben den sogenannten Ranglisten- und Ligaturnieren zusätzlich noch an Landes-, Deutschlands- und sogar Europameisterschaften teil und werden durch den nationalen und sogar internationalen Vergleich hoch gefordert.


Tanzen ist träumen mit den Beinen, aber auch harte Arbeit.

5.30 Uhr. Der Wecker klingelt. Noch 5 Minuten, noch einmal auf „Schlummern“ drücken. Und wieder ertönt der Weckton, jetzt gibt es keine Ausrede mehr. Dutt und Haarteil sitzen bereits seit dem Vorabend. Mit halb geschlossenen Augen geht es ins Bad, Zähne putzen und dann los zum Treffpunkt. Es ist wieder soweit, die Turnierphase hat begonnen. Wird dieser Tag zu mindestens beim Aufstehen von Einigen noch verteufelt, nimmt spätestens beim Aufeinandertreffen mit den Anderen die Vorfreude langsam überhand. Und auch der Kreislauf kommt gemächlich in Schwung, gepuscht durch den einen oder anderen Wachmacher und laut dröhnende Musik auf der Fahrt zum Turnierort. Dort angekommen wird zunächst ein Schmink- und Umkleideplatz zugeordnet, dann kann es los gehen mit den Zurechtmachen. Noch etwas Rouge hier, noch etwas Haarspray dort und fertig sind sie, die Diamonds in ihrer vollen Bracht. Zu mindestens optisch.

Jetzt steigt langsam die Nervosität, der Auftritt vor der kritisch beäugenden Jury rückt immer näher. Viel Zeit zum nervösen Rumzappeln und Fingernägelkauen bleibt jedoch nicht, so muss der Tanz noch einmal durchgegangen und die Beine auf die bevorstehende Höchstleistung vorbereitet, also aufgewärmt und gedehnt, werden. Nun sind die Diamonds auch physisch bereit, bereit der Jury zu zeigen, was sie können. Steht nur noch die Passkontrolle bevor. Und dann ertönt es auch schon aus den Lautsprechern: „Und als nächste Gruppe begrüßen wir die Diamonds des CTC Die Krätscher aus Frankfurt“. Musik ab und los geht’s! Jetzt gilt es, alles zu geben und immer daran zu denken: LACHEN (was sich zum Ende hin eher in ein Zähne zeigen verwandelt), KOPF MITNEHMEN (und das zackig), FÜSSE STRECKEN, KNIE DURCHDRÜCKEN, DAUMEN RAN, SPANNUNG HALTEN und achja da war noch etwas, FÜSSE NATÜRLICH ÜBER KOPFHÖHE. Wenn es sonst nichts weiter ist. Nach den gefühlten 10 Minuten Tanz ist es dann auch schon vorbei und es geht mit brennenden Lungen und hochroten Köpfen von der Bühne. Sieht man nun bei dem einen oder anderen eventuell ein etwas enttäuschtes Gesicht, so sind andere wiederum glücklich und zufriedenen. Doch zählt nur die Gesamtleistung der Gruppe. Und wie gut diese war, wird durch die Punktevergabe der Jury auf der großen Anzeigetafel gezeigt, welche voller Spannung nicht mehr aus den Augen gelassen wird. Fällt diese dann den Erwartungen entsprechend oder gar höher aus, ist diese das Highlight des Tages, die Belohnung für jedes einzelne schweißtreibende Training zuvor und der Anreiz auf noch härteres Feilen an Tanz und Ausführung.

Nachdem wir, die Diamonds, 2012 zum ersten Mal Turnierluft geschnuppert haben, sind wir von dem besonderen Flair dieser Tanzwettbewerbe infiziert. Seit unserem ersten Auftritt vor der DVG- Jury und heute hat sich jedoch viel verändert. War damals noch alles sehr fremd, sind die Turniere als fester Bestandteil der Saison heute nicht mehr weg zu denken. Der DVG hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass sich unsere Gruppe enorm entwickelt hat und sich von Jahr zu Jahr schrittweise verbessern konnte.

Zu verdanken haben wir dies einerseits natürlich unseren tollen TrainerInnen. Ein besonders großer Dank gilt hier insbesondere unserem ehemaligen Trainer Claus Schirling, der uns bis 2015 auf dem bisherigen Weg als Diamonds begleitet und uns diese neue Welt der Turniere überhaupt erst eröffnet hat. Ohne Claus wären wir heute definitiv nicht dort, wo wir gerade sind.

Auf der anderen Seite sind vor allem der starke Zusammenhalt und das lockere, freundschaftliche Klima in der Gruppe entscheidende Faktoren für die positive Entwicklung. Zwar wurde mittlerweile durchaus ein gewisser Ehrgeiz und ein allgemeiner Wille zur Verbesserung entwickelt, jedoch werden ein gutes Gruppenklima und der gemeinsame Erfolg als Gruppe immer Voraussetzung und Priorität vor jedem Pokal bleiben.

 

Wenn ihr Lust bekommen habt, euch das Turniergeschehen mal live anzugucken und euch ein eigenes Bild davon zu machen, findet ihr hier auf unserer Internetseite immer ab Oktober jeden Jahres die genauen Daten und die jeweiligen Turnierorte.

Kommt vorbei, es lohnt sich wirklich! Nicht nur um uns tatkräftig anzufeuern und mal in einem ganz anderen Umfeld tanzen zu sehen, sondern auch, weil hier echte Hochleistungen in vielfacher Ausprägung präsentiert werden, die auch Euch begeistern wird. Für jeden Tanz- oder Musikalliebhaber ein MUSS.

Wir freuen uns auf Euch,

Eure Diamonds